Der Weltenbastler

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. 

 Eine eigene Welt erfinden, um seine eigenen Ideen zu verwirklichen 

Es gibt viele berühmte Beispiele für Weltenbastler: Tolkien, Erfinder von Mittelerde, Gene Roddenberry mit seinem Star Trek, George Lucas und sein Star Wars sowie James Camron mit Avatar. 

 

Ein Weltenbastler ist ein Mensch, der sich Welten ausdenkt, umbaut oder gestaltet. Dies kann unterschiedlich intensiv ausgeprägt sein, so werden Landkarten, Sprachen, Geschichten und ganze Historien von Völkern und Planeten, Schulsystem etc. geschaffen, um diese Welt zu füllen. Häufig dienen diese Welten der Umsetzung eigener Konzepte und Ideen, die in der Realität nicht vorkommen. Wer sich ein Schulsystem ausdenkt, tut dies, vielleicht, weil er eine Idee hat, wie es anders gehen kann. Er wird sicherlich nie gefragt werden, wenn es darum geht, das Schulsystem zu reformieren, aber er hat diesen kreativen Output, den er loswerden will, eventuell sogar muss. Ein Weltenbauer gibt sich völlig in seine Welt und gestaltet sie aus, das kann Jahre so gehen. Beispiele sind: Tolkien, Gene Roddenberry, George Lucas usw. Weltenbauer sind besonders kreativ und einfallsreich.

 

Der Weltenbastler in mir

Bereits als Kind war ich ein "Weltenbastler", ich wollte immer alles neu erfinden, umgestalten, Geschichten umdichten und mir neue Dinge einfallen lassen. Das führte dazu, dass ich neben imaginären Freunden aus einer anderen Welt auch eine eigene Sprache erfand, um mich mit dieser Welt zu identifizieren, sie lebbar zu machen. Ich hatte immer eine große Fantasie, die ausgelebt werden wollte.

 

So wurde aus den Bäumen des Apfelhofes meiner Großeltern ein magisches Schloss, das durch einen reißenden Fluss (in Echt ein kleiner Entwässerungsgraben) von einem Paralleluniversum mit einem weiteren magischen Schloss getrennt war. Nur durch gewisse Schrittfolgen kam man nun in diese andere Welt, die natürlich nur ich und meine damalige Nachbarin und Sandkastenfreundin wahrnehmen konnten. Ein bisschen so wie in dem Film "Brücke nach Terabithia" hatten wir beide, die auch noch am selben Tag geboren wurden, uns unsere geheimen kleinen Reiche geschaffen, in denen unsere Phantasien zusammenflossen. Nach einem Umzug verloren wir uns dann aus den Augen und so ging ich alleine weiter den Weg des Weltenbastlers. Erst Jahre später fanden wir wieder zu einander und arbeiteten gemeinsam mit einer weiteren Freundin an meiner Idee zum Egoric Empire (heute Empire of Light), eine Science-Fiction-Geschichte, die auf meinen frühen Ideen basiert und sich seit Jahrzehnten weiter ausbaut.

 

Magie und Science Fiction: 

Mich faszinierten Themen wie Magie aber auch Science-Fiction, als Kind der 80er kein Wunder, wuchs ich doch mit He-Man und Konsorten auf. Damals hatte irgendwie alles einen Anstrich von Magie oder Übersinnlichkeit, oft in Kombination mit Science Fiction. Die Zukunft war ein Ort ungeahnter Möglichkeiten, Technologien sowie Welten und Magie konnte alles möglich machen. Perfekt für einen Weltenbauer. 

 

Wunschtraum Videokamera:

Nun hatte ich so viele tolle Ideen und wollte meine eigenen Filme machen...Doch wie bekam man sowas auf Band? Klar, eine Videokamera musste her. Leider waren die Dinger damals unbezahlbar und so blieb es leider nur ein Traum, den ich mir erst Jahre später erfüllen konnte. Gemeinsam mit Freunden drehten wir Filme über Raumschiffe im All - selbstverständlich eine Anlehnung an Star Trek, wenngleich mit eigener Hintergrundgeschichte und eigener Welt! Die Effekte waren dann Poster, die ich abfilmte und beleuchtete, eigentlich nicht besonders schön, aber irgendwie charmant. Ich verfilmte dann auch Hörspiele von He-Man und She-Ra, in dem ich in meinem Kinderzimmer Burgen aufbaute und die Spielzeugfiguren entsprechend platzierte. 

 

Der Weltenbastler am PC

Als ich in das Computerspiel-Alter kam, verliebte ich mich in Spiele wie Sim City, Sim Life und Civilisation - alles Spiele, mit denen man eigene Welten, Karten, Reiche und Städte errichten konnte. Blöd fand ich es, wenn man keine eigenen Namen vergeben konnte und an ein Konzept gebunden war, das nicht viel Raum für eigene Ideen ließ. Deswegen wollte ich dann irgendwann meine Ideen in diese Spiele einfließen lassen, was natürlich nicht ging. Ich hatte früher schon Textadventures programmiert, aber komplexe Spiele waren dann für mich diverse Nummern zu hoch. Immerhin erlernte ich eigenständig Quick Basic und programmierte eigene Anwendungen für DOS. Neues Ziel: Ein eigenes Betriebssystem erfinden. Getreu dem Motto, alles muss meinen persönlichen Anstrich bekommen. Auch das klappte natürlich nicht - wer sich auskennt, weiß, dass man dafür schon sehr intensive Informatik-Kenntnisse benötigt, die mir natürlich fehlten, ebenso wie das mathematische Verständnis.

 

Mein Kryptonit: Mathe

Meine große Schwäche "Mathe" stand mir immer wieder im Weg. Sie passt nicht zu mir, Mathe ist starr und logisch - ich versuchte mich mal daran, eine eigene Rechenart zu erfinden und erschuf irgendwie einen höchst merkwürdigen und unnötigen Algorithmus, Hauptsache, ich hatte meine Gedanken da einfließen lassen. Mehr konnte ich dem nicht abgewinnen und scheiterte daran, Mathe in seinen Grundfesten zu begreifen. 

 

Mathe machte keinen Spaß, weil man damit nicht kreativ umgehen konnte. Wie sollte ich dieses Gebilde umgestalten und zu meinem eigenen machen? Das ging nicht und daher war es für mich irgendwie nicht zugänglich.

Ich konnte auch nicht einfach hinnehmen, dass man binomische Formeln mit der PQ-Formel lösen kann - wo war der Beweis? Warum war das so?

Nur wenn ich etwas verstanden hatte, konnte ich es verarbeiten, ich war intuitiv, erarbeitete mir alles mit meinem Gefühl und meinem Einfühlungsvermögen. Mathematische Beweise waren jedoch zu komplex für mich und so scheiterte ich reihenweise daran, Mathe als ein Werkzeug zu benutzen, da ich es nicht verstanden hatte. Vielleicht würde ich es heute besser machen. Es hat auf jeden Fall mein Abitur etwas verschlechtert und mir den Zugang zu den sehr spannenden Naturwissenschaften verbaut. Ich liebte Physik, denn es hatte irgendwie was von Star Trek und Science Fiction, und Magie konnte die Physik aushebeln, also wollte ich es schon begreifen. Warum nur, musste man in Physik immer alles er- und berechnen? Warum wurden aus Physikarbeiten Mathearbeiten? Ich konnte mir alles merken, was mit Physik zu tun hatte, die Formeln jedoch nicht. Ich entwickelte eine derartige Mathe-Phobie, dass ich irgendwann mit dem Taschenrechner 3+3 ausrechnen ließ, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob ich es wirklich zuverlässig im Kopf berechnen würde. So verpatzte ich dann jede Klausur in Mathe, dabei war mein bester Kumpel ein Mathe-Genie und der beste der Klasse. Abschreiben klappte nicht, denn er ging immer verrückte und unorthodoxe Rechenwege - das wäre bei einer Mathe-Flasche wie mir unglaubwürdig gewesen...So klatschte mein Lehrer mir das Heft immer grimmig hin und bei meinem Kumpel kam er aus dem Grinsen nicht mehr raus.

 

Sprachen sind toll:

Sprachen faszinierten mich und das schon als Kind. Ich guckte He-Man auf Cartoon Network mit englischen Originalton, verstand kein Wort und saß dennoch gebannt davor. Ich lernte das Intro auswendig, obwohl ich nicht einmal wusste, welche Worte verwendet wurden. Jahre später fand ich den Vorspann auf Englisch bei Youtube und ich konnte tatsächlich irgendwie noch den Text, nun sogar ganz korrekt, da ich Englisch mittlerweile fließend spreche. Sprachen öffnen Türen und knüpfen Kontakte, sie sind irgendwie intuitiv jedoch nicht chaotisch, sie sind lebendig und wandelbar. Besonders spannend finde ich Etymologie und die Herkunft der verschiedenen Sprachen. Wie haben sich Laute verändert und warum, damit aus dem Wort "Tegelum" Ziegel wird? Wie stehen Ego und Ich in Verbindung? Wen's interessiert kann es unter [] nachlesen.

 

Ich bin irgendwie ja auch zweisprachig aufgewachsen, denn meine Großeltern sprachen Plattdütsch, was ich sehr befremdlich fand. Manchmal habe ich gar nichts verstanden, wenn die Erwachsenen unter einander sprachen. Zusätzlich war ich großer Fan der EAV aus Österreich, die ja ein noch anderes Deutsch sprachen. Ich bin überzeugt, dass diese Vielfalt an Dialekten, die im Alltag vorkamen, meine Sprachfähigkeiten enorm beeinflusst haben. Ich lernte Englisch, Französisch und Latein an der Schule. Latein fand ich sogar am Anfang richtig spannend, aber verlor irgendwann das Interesse. Ich wollte Latein sprechen können, ich wollte die Sprache hören und fühlen, nicht übersetzen...Heute gibt es bei Wikipedia einen tollen Artikel über die Aussprache des Lateinischen - warum gab es da früher nicht? Ich las immer alles Schwedisch vor, weil ich es anders klingen lassen wollte, als die typisch deutsche Aussprache - ja, ich war in Freak und Außenseiter :-) ich hatte mit 14 begonnen, Schwedisch zu lernen, weil ich einen Brieffreund in Schweden hatte, auch heute noch irgendwie habe, und oft in Schweden war. 

 

Musik und Gesang:

Eine weitere Domäne, die ich liebte und mir zu Eigen machen wollte, war die Musik. Ich habe schon als Kind gerne gesungen, meine Mutter und ich taten dies auch leidenschaftlich gerne bei jeder Autofahrt. Irgendwann begann ich meine eigenen Texte intuitiv drüber zu singen, damit "redete" ich mir häufig auch Probleme von der Seele. Die Texte drehten sich dann natürlich auch um irgendwelche Teenie-Probleme, die man ja so kennt. Es half mir jedoch sehr, damit umzugehen, und ich fing irgendwann an, meine eigenen Lieder auf dem Keyboard zu klimpern. Leider hatte ich damals keinen Bock auf Unterricht, was ich heute massiv bereue. Hätte ich bloß damals schon Gesangs- und Keyboard-Unterricht genommen, das wäre klasse gewesen. Dafür war ich aber zu unsicher und meine Lebensumstände etwas schwieriger. 

 

Egoric Empire:

Was als Kind begann, wurde im Teenie-Alter zu einem Großprojekt. Ich inspirierte Freunde dazu, an meiner eigenen Fantasie-Welt teilzunehmen. Gemeinsam schufen wir die Welt von Egoric Empire, einer Geschichte um Völker aus der Andromeda Galaxie. Jeder hatte sein eigenes Volk oder war Teil eines Volkes. Wir saßen teilweise stundenlang zusammen und dachten uns Details aus. Ich schrieb seitenweise Berichte über die Dinge, die wir erarbeitet hatten. Alles sollte zusammenpassen und logisch sein. Ich schuf meine eigene Sprache mit eigenen Schriftzeichen - die mir mal beim Schummeln in Chemie geholfen habe, da sie eine schwierige Formel auf der Federtasche darstellten - und so taten es andere ebenfalls. Wir schrieben uns Briefe in den Schriftzeichen, lernten unsere Sprachen etc. Irgdnwann brachen dann die Freunde weg, es waren dann nur noch eine sehr enge Freundin übrig. Dann tauchte meine alte Sandkastenfreundin wieder auf und wurde sogleich Teil des Projektes. Auch sie baute ihre Welt in unsere ein. Egoric Empire, was ursprünglich von Eggorlo (Olrogge Rückwärts) abgeleitet wurde, wurde so etwas wie ein Rahmen für verschiedene Ideen und Geschichten. Jeder hatte Platz für seine eigene Welt. Doch auch das hielt nur einige Jahre, dann kam ja das Studium und das Leben änderte sich. Ich habe jedoch nicht aufgegeben und arbeite noch immer daran...

 

Fazit:

Es ist nicht leicht, ein Weltenbauer zu sein, denn es gibt so vieles, was man gestalten und ändern möchte, so viele Ideen und Projekte...Nicht immer hat man die Fähigkeiten, das umzugestalten oder zu bauen, was man sich vorstellt. Man braucht eigentlich viele Menschen, die gerne umsetzen und keine eigenen Ideen verwirklichen wollen. Routine liegt einem Weltenbauer nicht, er will seine Ideen verwirklichen und nicht bestehende Dinge so lassen, wie sie sind oder gar dafür zu sorgen, dass sie bleiben wie sie sind. Weltenbauer wollen verändern, sie wollen sich einbringen und sich hineingeben, was sie mit großer Leidenschaft tun. Was sie nicht können, bringen sie sich bei, erarbeiten sich das Nötige, um das Ziel zu erreichen. Und zum Glück muss man nicht alles können, es gibt ja für alles Experten, mit denen ein Weltenbauer zusammenarbeiten kann.