· 

Tipps zum Sprachenlernen

Eine neue Sprache zu erlernen, fällt nicht immer leicht. Schnell ist man mit all den Regeln der Grammatik überfordert und kann sich dennoch nicht vernünftig ausdrücken. Was soll man also tun?

 

Nun, ich lerne gerade Isländisch, eine furchtbar schwere Sprache mit einer sehr komplizierten und umfangreichen Grammatik, die einen erschlagen kann. Auch ich stand zunächst völlig erschlagen davor. Aber bereits nach einem Tag konnte ich einfache Sätze bilden. 

 

Tipp 1) Verben raussuchen und lernen.

Im Schwedischen ist es zum Glück sehr einfach, neue Verben zu lernen, denn sie werden nicht gebeugt. Im Isländischen und vielen anderen Sprache wie z.B. Französisch werden sie aber gebeugt. Sucht Euch die wichtigsten Alltagsverben heraus und lernt diese. Lernt auch die Modalverben (müssen, können, wollen etc.) und schreibt einfache Sätze wie z.B.  Ich arbeite. Ich muss arbeiten. Ich will nicht arbeiten. 

Bei Sprachen, die sehr viel beugen wie z.B. Französisch, konzentriert Euch zunächst nur auf die wichtigen Personen: Ich, Du und ggf. Sie! Das ist weniger zu lernen!

 

Auf Schwedisch: Jag jobbar. Jag måste jobba. Jag vill inte jobba.

Auf Isländisch: Ég vinna; Ég verða að vinna. Ég vil ekki vinna.

 

Verben sind die wichtigsten Worte, denn sie drücken die Tätigkeit aus. Oft kann man schon in einfachen Sätzen mit Verben etwas viel erreichen. Z.B. Ich möchte essen. Ich muss essen. Das kann ich nicht essen.

 

Tipp 2) Sätze bilden!!!

Das Wichtigste überhaupt beim Sprachenlernen, ist es, die Sprache aktiv anzuwenden. Am leichtesten ist es, erstmal Sätze zu schreiben. Ganz einfache, wirklich banale Sätze. Je mehr diese Sätze jedoch mit einem persönlich verbunden sind (z.B. Ich will nicht arbeiten; ich will nach Hause; Ich will nach Island reisen), umso besser merkt man sich die Worte dazu. Sprecht Euch die Sätze, die Ihr schreibt mehrfach laut vor, versucht sie immer flüssiger sprechen zu können. Variiert auch den Tonfall.

 

Tipp 3) Nutzt Google

Wenn Ihr Sätze formuliert und Ihr seid Euch nicht sicher, ob diese Sätze so richtig sind, dann kann Euch Google helfen. Ich meine jedoch nicht Google Übersetzer! Ich meine die Suchfunktion! Geht einfach auf die Google Version des jeweiligen Landes dessen Sprache Ihr lernt und schaltet bei Sprache auch diese ein! 

Dann nehmt Ihr Euren Satz (er sollte nicht zu spezifisch sein, sondern allgemein gehalten sein, wie möglich) und dann setzt Ihr diesen in " " in das Suchfeld. Nehmen wir das Beispiel aus dem Schwedischen: 

"Jag vill inte jobba här" und suchen das bei Google. Wenn diese Phrase so auf vielen Webseiten vorkommt und auch auf Webseiten, die einer Zeitung gehören, einem schwedischen Blog etc, umso besser. Findet Ihr erstmal nichts, dann scheint diese Phrase so nicht wirklich geläufig zu sein. Versucht dann den Fehler zu finden. Vielleicht ist das "här" zu viel. Nehmt es weg und schaut, was dann passiert. Tauscht die Person aus, macht aus "jag" ein "han". Das ist allgemeiner. So könnt Ihr teilweise sehr gut testen, ob man das so sagen kann.

 

Google Übersetzer kann eine kleine Stütze sein, indem Ihr versucht, Euren Satz, den Ihr geschrieben habt, dann in andere Sprachen, die Ihr beherrscht zu übersetzen. Z.B. Deutsch oder Englisch. Dann werdet Ihr sehen, ob das Ergebnis einigermaßen hinkommt. Ergibt es Kauderwelsch, dann ist mit Sicherheit etwas falsch.

Bedenkt aber immer, dass Google erstmal alles ins Englische überträgt und von dort aus in die Zielsprache übersetzt. Das kann manchmal zu Verfälschungen führen.

 

Tipp 5) Strukturen und Muster erkennen

Wenn Ihr Euch mit den Verben oder eventuell irgendwelchen Deklinationstabellen von Hauptworten beschäftigen müsst, versucht darin eine Struktur zu erkennen. Jede Sprache hat eine verborgene Struktur, auch hinter den noch so abstrus wirkenden Formen steckt immer eine Regelmäßigkeit. Es ist nämlich so, dass wir als Kinder diese Struktur (Grammatik) nicht erklärt bekommen, sondern in der Lage sind, diese anhand der zahlreichen Beispiele, die uns täglich begegnen eigenständig herauszufinden. Das läuft unterbewusst. Sprache kann nur dann effektiv gesprochen werden, wenn sie internalisiert wurde, also verinnerlicht und zum Gefühl geworden ist. Kennt Ihr noch das Fahrradfahrenlernen als Kind? Oder später das Autofahren? Jeder Schritt wurde bewusst durchgeführt, es war anstrengend und kompliziert. Irgendwann ging es von allein! Ja, genau, weil es in das prozedurale Gedächtnis übergegangen ist. Das ist der Teil des Gedächtnisse, der Handlungsbläufe absepeichert. Das geschieht unterbewusst. Je öfter wir eine bestimmte Handlung ausführen, also trainieren, umso tiefer gerät es in das prozedurale Gedächtnis. Danach ist es gesichert und kann automatisch abgespult werden. 

 

 

So verhält es sich auch mit Sprache. Strukturen und Muster werden erkannt, abgespeichert und können sogar übertragen werden. Irgenwann denkt man über die Formen nicht mehr aktiv nach, sie sind bereits hinterlegt und kommen automatisch.

 

Tipp 6) Üben, üben und üben. Ständige Wiederholung!

Ja, es geht nicht anders. Wenn es in das prozedurale Gedächtnis kommen soll, müssen wir es so lange wiederholen und trainieren, bis es sicher abgespeichert ist. Dazu wendet Ihr am besten die Sprache so oft aktiv an, wie möglich. NICHT PASSIV! Zuhören und lesen helfen natürlich auch, aber auf andere Weise. Viel wichtiger ist es, die Sprache aktiv anzuwenden!! Nutzt jede Gelegenheit dafür. Und wenn es im Auto Selbstgespräche sind oder mit einem imaginären Beifahrer. Auch auf dem Klo, wenn es mal eine längere Sitzung ist, kann man versuchen in Gedanken Sätze zu bilden. 

 

Tipp 7) Vokabeln lernen durch Anwendung

Auch Vokabeln lernt man am besten, indem man sie anwendet. Je mehr Kontexte Ihr habt, indem das Wort eingebunden werden kann, umso prominenter bleibt es im Gehirn. Dadurch verbinden sich mehr Neuronen. Versucht dabei immer auch Gefühle einzufangen oder es am besten auf Euch und Euer Leben zu beziehen. Sätze, die Ihr so auch anwenden würdet. Vielleicht auch eine aktuelle Situation betreffend. Stellt Euch vor, Ihr seid auf der Arbeit und genervt. Dann könnt Ihr versuchen, das in der Sprache zu sagen, die Ihr lernen wollt. Ganz einfach und unkompliziert. Sowas wie: Ich will nicht mehr. Ich will aufhören. Ich will nach Hause. Der Chef nervt. etc. Es muss nämlich nicht immer unglaublich komplex sein. Je einfacher, desto besser!!!

 

Nun gut, versucht es mal! Und glaubt mir, es wird Euch helfen! Passiv erlernt man eine Sprache nur selten und nur mit hoher Begabung. Meistens versteht man dann viel, aber kann selber kaum etwas sagen. Deswegen muss beides trainiert werden und dabei helfen Euch meine Tipps. Also viel Spaß beim Lernen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0