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In diesem Bereich dreht sich alles um die schwedische Sprache und meinen Unterricht.

 

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Schwedisch


Immer wieder höre ich von Leuten – wenn ich berichte, dass ich Schwedisch unterrichte – wie man eine solche „Halskrankheit“ denn überhaupt sprechen könne. Außerdem sei es dort ja immer kalt und schlechtes Wetter…Nun beginnt nicht gleich hinter Flensburg das Land der Wildlinge und weißen Wanderer, wo alles von Eiseskälte und Schnee dominiert wird, die ewige Nacht herrscht und vor denen uns hier im Süden nur eine gigantische Mauer aus Eis schützt. Schwedens Südspitze liegt ungefähr auf Höhe der dänischen Stadt Odense (knapp 250 km nördlich von Hamburg) und somit nicht viel nördlicher als Manchester oder Kopenhagen. Es wird daher nicht schlagartig dunkel, sobald man über die schwedische Grenze gefahren ist, auch gefrieren einem nicht die Adern und es kommen einem keine wilden Wikinger mit Äxten und Keulen auf Elchen entgegen geritten. Nein, man mag es kaum glauben, im Süden Schwedens ist es im Sommer teilweise sogar wärmer als in Deutschland. Das hat mit kontinentalem und maritimem Klima zu tun.

 

Die schwedische Sprache ist auch keine Halskrankheit, sondern eine sehr melodische und weiche Sprache. Ein Reichtum an verschiedenen Vokalen, Tonsprüngen bis zu einer Quinte und ein Rhythmus aus langen und kurzen Silben, sehr weiche Konsonanten und Diphthonge zeichnen Schwedisch aus. Laien mögen Dänisch für Schwedisch halten und auch Norwegisch nicht davon differenzieren können, aber es gibt deutliche Unterschiede im Klang: Dänisch ist stark verflacht, hat seine Melodie größtenteils gegen einen Stoßton, der abgehackt klingt, getauscht und viele Konsonanten bis zur Unkenntlichkeit verwaschen, während das Norwegische härtere Konsonantendungen, ein dunkles L und eine Melodie vorweist, bei der betonte Silben tiefer liegen, als unbetonte – was etwas befremdlich klingt und an Fragenstellen erinnert. 

 

Schwedisch ist eine nordgermanische Sprache, die aus dem Altnordischen (Norrønt Mál) hervorgegangen ist. Gemeinsam mit Norwegisch und Dänisch gehört  Schwedisch zum Dialektkontinuum Skandinaviens. Die Schriftssprache aller drei Sprachen ähnelt sich sehr, da Wortschatz und Grammatik sich kaum unterscheiden. Die Aussprache, wie oben beschrieben,  weicht hingegen extrem ab, so dass Sprecher der jeweils anderen Sprachen oft Mühe haben zu verstehen, was gesagt wird. Besonders das Dänische wird als schwer verständlich empfunden. Die Norweger verstehen von allen am besten die anderen beiden Sprachen, das hat ein Test ergeben.

 

Schwedisch unterlag starken Einflüssen durch die Hanse, so dass viele Begriffe aus dem Niederdeutschen (Plattdeutsch) in die Sprache eingeflossen sind. Beispiele sind forsöka, kontor, snacka, förstå etc... Aber auch das Französische hat sich über das Königshaus der Bernadotte stark auf das Schwedische ausgewirkt. Worte wie fåtölj (fauteuil), perrong (perron), trottoar (trottoir), glass (glace) etc. haben die originalen germanischen Worte verdrängt. 

 

Während die Grammatik des Schwedischen verhältnismäßig simpel ist, da kaum gebeugt wird  - es gibt jeweils nur eine Verbform für alle Personen (im Deutschen hat jede Person seine eigene Form: Ich gehe, du gehst, er geht...) und es gibt keine verschiedenen Fälle oder gar Artikel (der, die, das, dem, den), dafür Endungen, die man lernen muss - so ist jedoch die Aussprache für uns Deutsche erstmal sehr schwer.

 

Zudem ist Schwedisch eine Melodie-Sprache, was man als diesen typischen schwedischen Sing-Sang wahrnimmt. Insgesamt ist Schwedisch jedoch sehr elegant und fein, wirkt teils niedlich und hebt sich deutlich vom Dänischen ab, das eher genuschelt und platt klingt. Norwegisch ist etwas härter und hat eine andere Melodie, ähnelt klanglich dem Schwedischen jedoch viel mehr, als Dänisch, so dass viele den Unterschied nicht wahrnehmen können. Mit Schwedisch kann man sich zudem in Teilen Finlands und natürlich in Norwegen gut verständlich machen. Auch auf den Färöern, wo neben Färöisch ein dänischer Dialekt gesprochen wird, der sehr norwegisch klingt, kann man sich mit Schwedisch behelfen. Lesen klappt allemal.

 

Dann kommt oft die Frage, warum man Schwedisch denn lernen sollte…

Ganz einfach! Wer in Schweden ein Haus oder Freunde bzw. Verwandte hat, mag es für sinnvoll erachten, mit den Einheimischen in ihrer Landessprache sprechen zu können. Ja, sie sprechen alle hervorragend Englisch, und trotzdem ist dort Schwedisch Landessprache! Schwedisch braucht man nicht zu lernen, wenn man keinen Wert darauf legt, sich die schwedische Kultur zu erschließen, Freunde dort zu finden, oder gar dorthin auszuwandern. Wer nur einmal dort Urlaub macht, kommt mit Englisch gut zurecht.

  

Ich persönlich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man jedem Schweden ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, indem man ein paar Sätze Schwedisch spricht. Und wer als Deutscher in einer schwedischen Familie lebt, oder viele schwedische Freunde hat, wird sich oft ausgeschlossen fühlen, wenn die Schweden unter einander Schwedisch sprechen. Auch Behörden sehen es lieber, wenn man Schwedisch mit ihnen spricht.